Mean Radius VS MOA für Präzisionangabe
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Die Präzision einer Waffe wird häufig in MOA angegeben. Diese Angabe ist weit verbreitet, einfach zu kommunizieren – und dennoch problematisch. Der Grund liegt nicht in der Einheit selbst, sondern in der Art, wie MOA meist bestimmt wird: über die maximale Ausdehnung einer kleinen Schussgruppe.
MOA beschreibt Ausreisser, nicht das System
Die klassische MOA-Bewertung basiert in der Regel auf der grössten Distanz zwischen zwei Treffern einer Gruppe. Damit beschreibt sie nicht die typische Leistung des Systems, sondern wird von zwei einzelnen Schüssen dominiert, oft von Ausreissern.
Bei kleinen Schussanzahlen ist das besonders kritisch:
- ein einzelner schlechter Schuss vergrössert die MOA massiv
- eine zufällig enge Gruppe suggeriert hohe Präzision
MOA ist damit stark stichprobenabhängig und statistisch instabil.
Mean Radius misst das, was Präzision wirklich ist
Der Mean Radius (mittlerer Radius) betrachtet jeden einzelnen Schuss. Er beschreibt den durchschnittlichen Abstand aller Treffer vom geometrischen Mittelpunkt der Gruppe.
Das hat entscheidende Vorteile:
- alle Schüsse gehen gleichwertig in die Bewertung ein
- Ausreisser verzerren das Ergebnis deutlich weniger
- der Wert konvergiert schneller mit steigender Schussanzahl
- er bildet die tatsächliche Streuung des Systems realistischer ab
Der Mean Radius ist damit eine statistische Kenngrösse, nicht nur eine geometrische.
Zwei Waffen, gleiche MOA – unterschiedliche Realität
Betrachten wir zwei Waffen, die beide mit 1.5 MOA angegeben werden:
Waffe A: Die meisten Schüsse liegen nahe am Zentrum, wenige Ausreisser vergrössern die Gruppe
Waffe B: Die Schüsse sind gleichmässig über den gesamten Streukreis verteilt
Beide Waffen zeigen dieselbe MOA, aber:
Waffe A hat einen kleinen Mean Radius
Waffe B hat einen deutlich grösseren Mean Radius
In der Praxis bedeutet das:
Waffe A trifft zuverlässiger nahe am Zielpunkt
Waffe B ist weniger vorhersagbar, obwohl die MOA identisch ist
MOA verschleiert diesen Unterschied vollständig, der Mean Radius macht ihn sichtbar.
Bedeutung für den Waffenvergleich
Wer Waffen oder Munition seriös vergleichen will, kommt am Mean Radius nicht vorbei. Er erlaubt:
- objektivere Vergleiche
- belastbare Aussagen bei grösseren Schussserien
- realistische Einschätzung der Treffwahrscheinlichkeit
Gerade im Long-Range-Bereich oder bei taktischen Anwendungen, wo Wahrscheinlichkeit wichtiger ist als Bestwerte, ist der Mean Radius die deutlich sinnvollere Kenngrösse. Nicht ohne Grund wird die Präzision von Flugmarschkörper oder Bomben mit dem Mean Radius angegeben.
Fazit
MOA (oder jedes andere Winkelmass) ist einfach, aber grob. Der Mean Radius ist anspruchsvoller, dafür ehrlich.
Er beschreibt nicht den besten oder schlechtesten Schuss, sondern das typische Verhalten eines Systems. Wer Präzision verstehen und vergleichen will, sollte daher weniger auf MOA schauen und mehr auf den Mean Radius.
Damit man nicht zuerste einen Abschluss in angewanter Mathematik machen muss empfehlen wir Ballistic-X um den Wert zu ermitteln.